weil wir nie vergessen dürfen.

-Die Nacht-

Ein Kind vor Tausenden von Zuschauern zu hängen, war keine Kleinigkeit… »Mützen ab!« Brüllte der Lagerchef. Seine Stimme klang heiser. Wir weinten. Dann begann der Vorbeimarsch. Die beiden Erwachsenen lebten nicht mehr. Aber der dritte Strick hing nicht reglos: Der leichte Knabe lebte noch….

Mehr als eine halbe Stunde hing er so und kämpfte vor unseren Augen zwischen Leben und Sterben seinen Todeskampf. Und wir mussten ihm ins Gesicht sehen. Er lebte noch, als ich an ihm vorbei schritt. Seine Zunge war noch rot, seine Augen noch nicht erloschen. Hinter mir hörte ich einen Mann fragen: »Wo ist Gott?« Und ich hörte eine Stimme in mir antworten: »Wo er ist? Dort – dort hängt er am Galgen…«

Elie Wiesel – »Die Nacht« – Erinnerungen und Zeugnis. Herder-Verlag 2008 (Neuausgabe)

Elie Wiesel, 1928 in Sighet (Rumänien) geboren, wurde mit seinen Eltern und der jüngeren Schwester nach Auschwitz deportiert. 1945 wurde er in Buchenwald befreit. Das autobiografische Erinnerungsbuch »Die Nacht« erschien 1958. Es ist ein schmales, aber zentrales und wichtiges Werk zur Aufarbeitung des Holocaust. (ho)

Und plötzlich wurde mir schmerzlich bewusst, dass der Keks ohne Zeitzeugen aufwachsen wird. Keiner mehr da, der ihr die Geschichten vor früher erzählen kann.

Im Alltag merke ich immer mehr, wie der Faschismus wieder Einzug erhält, sei es, wenn eine 17 Jährige vor dem Fernseher sitzt und „iiiih“ ruft wenn zwei Männer sich küssen, sei es, wo einer im Auto den Fahrer des Autos mit der Werbung des Dönerladens als Kanacke betitelt oder der jüdische Bankazubi beim Blick auf seine Konfession verächtlciht angeschaut wird. Er schleicht sich da ein wo jemand sagt: „das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen“, sich unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit einen kleinen Hausen Fremdenhass zusammen kehrt und bei passender Gegenheit mit Stammtischparolen um sich wirft. Er ist da wo einer gegen die griechische Bevölkerung wettert und sagt, die sein faul, wobei die meisten mind. 2 Jobs haben um überhaupt leben zu können und politische Fehlentscheidungen einemVolk zugesprochen wird. Nicht zuletzt ist der Faschismus da, wo Menschen Israel bei ihrem Tun im Gaza den Rücken decken. Er ist da wo wir unser muslimisches Feindbild ausbauen und Menschen als Terroristen bezeichnen.

In einer Zeit, in der die Zeitzeugen tot oder dement sind, ist wieder Platz für einen neuen Hitler.

Weil wir nicht vergessen dürfen.